Ein gutes Gedächtnis kann Ihnen überall helfen - auch im Job! Wir zeigen Ihnen Wege, die Sie vielleicht schon bald zum wahren Gedächtnismeister machen. So wie Daniel Helber aus Deckendorf zum Beispiel einer ist. Er gewann die Wette, dass er 250 Orte der Welt an ihrem Sand erkennen kann. Er selbst sagt dazu, die Schwierigkeit bestünde darin, dass Sandsorten sich sehr ähneln. 50 verschiedene Strukturen kann man mit einigem Training offenbar noch relativ einfach auseinanderhalten. Doch ab 150 werde es schon mehr als kritisch. Man brauche dazu besondere Gedächtnisgrundlagen...
Worauf „Hirntuning“ basiert
Gedächtnistrainerin Helga Zehetmaier, 1997 selbst erste deutsche Gedächtnismeisterin, plauderte in einem Interview aus dem Nähkästchen, wie Hochleistung beim Gedächtnis zustande kommt. Es habe mit dem richtigen Zusammenspiel unserer Sinneskanäle in der Wahrnehmung und Verarbeitung von Daten zu tun. Außerdem mit einer optimalen Sortierung und Abspeicherung im Kopf. Dabei spielt unter anderem der emotionale Faktor eine Rolle. So weiß die Wissenschaft, dass zu allem, was uns emotional in irgend einer Weise bewegt, sehr viel schneller Assoziationen kommen.
Das Hirn hat auf Daten, die in eine innere Landschaft von Gefühlen gebettet sind, einen schnelleren Zugriff. Das gilt auch für Fakten, die ein bestimmte Art von Aufmerksamkeit erregen, äußert Roland R. Geisselhart, einer der Altmeister unter den Gedächtnistrainern. Daher solle man sich zu eher langweiligen Merkinhalten eine möglichst fantastische und am besten humorvoll übertriebene Story ausdenken.
Im Kopf Profanes spannend machen
Ein gutes Beispiel dafür ist der Einkauf von Lebensmitteln. Wer sich dabei erwischt, immer wieder etwas zu vergessen oder sich die zu besorgenden Teile aufschreiben muss, findet hierin ein erstes Trainingsfeld. Angenommen, Sie brauchen Vollkornbrot und Baguette, Gemüse- und Orangensaft, Salami, Tomaten, Mozarella, Weißwein (sagen wir: Orvieto), Spaghetti, Tomatenmark, Rinderhack und Würzmischung. Lassen Sie jetzt Assoziationen kommen... Sie sehen Sonne, denken an eine typische italienische Melodie, zu der jemand singt „Oh, Mozarella, Mozarella...“ und träumen sich an einen Lago... Wie soll Ihr See heißen? Nenn wir ihn „Lago di Orvieto“ – und die innere Stimme schmettert gerade: „Mozarella, Mozarella, am Lago di...“ Sind Sie eine Frau, stellen Sie sich richtig klischeehaft einen schmachtend drein blickenden Italiener vor, der an einem Spaghetti-Lasso Baguettes hinter sich her schleppt. Sein Haar ist dunkel wie Schwarzbrot, und in der Fantasie fallen aus seinen vollen Locken Brotscheiben. Er reicht Ihnen eine und sagt „Bella Bionda..., Deine Haut ist schön wie Orangen.“ Daraufhin wird ihr Gesicht vor Scham tomatenrot, denn Sie finden ihn ganz toll. Und schon sehen Sie, wie sich auf Ihren Wangen regelrecht rote Tomaten abbilden.
Sie fassen sich ans Herz, da Sie sich durch seinen Charme bis ins Mark getroffen fühlen. Danach schauen Sie sich Ihre Hände an, die von Tomatenmark verschmiert sind. Aber Sie wollen kein Abenteuer und schmettern ihm eine gewürzte Antwort zu, mit der richtigen Mischung von Ausdrücken. Er solle sich doch (norddeutsch - Slang) „gehackt legen“, mit seiner „Salamitaktik“ (ihnen kommen dabei Bilder von Rinderhack und Wurst). Doch ungerührt trinkt er jetzt Gemüsesaft und lacht: „Ist...e... gesund... – gut... gegen Aufregung.!“ Sollten Sie ein Mann sein, dann beginnt Ihre Geschichte anders, vielleicht mit einer Blondine am Strand des Weißweinsees, die lange Haare wie Spaghetti hat...
Wichtig ist es, jeweils immer wieder eine eigene Story für solche Anlässe zu finden, die ruhig dramatisch und grotesk sein kann. Hauptsache, sie bietet innere Bilder, mit denen man etwas anfangen kann. Auf diese Weise werden schnell Assoziationen aktiviert, die erst einmal im Kopf bleiben. Am Anfang wird man mit ein paar Durchläufen das Ganze noch üben müssen. Fangen Sie daher mit kurzen, ausgedachten Listen zumTrockenüben an. Doch bald stellen sich erste Trainingseffekte ein. Nach und nach sitzt es dann immer besser - die Einkaufsliste, Stichworte für privat oder berufliche Besprechungen, Verkaufsargumente für ein Produkt oder was auch immer.



















