Karin R. fühlt sich hundeelend. Ihr ist übel, sie hat Herzrasen. Die Kehle schnürt sich ihr zusammen. Der Anlass ist banal: Es ist ein ganz normaler Tag und Karin R. ist auf dem Weg ins Büro. Am Liebsten würde sie im Bett bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen. Sie weiß, sobald sie in der Firma angekommen ist, beginnt ihre Tortur. Die Empfangssekretärin grüßt sie kaum oder gar nicht. Das Gespräch ihrer Kolleginnen verstummt, sobald Karin in deren Nähe kommt. Ihr Chef quält sie mit nichtigen Aufgaben oder mit Arbeitsaufträgen, die in der gewünschten Zeit kaum zu erledigen sind, und die Kündigung hängt täglich wie ein Damoklesschwert über ihr. Karin R. ist ein Mobbing-Opfer.
Wie der erste deutsche repräsentative Mobbing-Report der Sozialforschungsstelle in Dortmund im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) aufzeigt, sind aktuell knapp 3% der Erwerbstätigen - also fast eine Million Arbeitnehmer/innen - von Mobbing betroffen. Sie sind Schikanen, Intrigen, Ausgrenzungen, Psychoterror bis hin zu körperlichen Bedrohungen am Arbeitsplatz ausgesetzt mit den daraus resultierenden individuellen, gesundheitlichen und gesellschaftspolitischen Folgen. Im Laufe eines Erwerbslebens ist nach Berechnungen der Studie sogar mehr als jeder neunte Erwerbstätige von Mobbing betroffen. Mobbing zieht sich durch alle Berufsgruppen und Hierarchien, wobei besonders gefährdete Personengruppen herausgearbeitet werden: Frauen (ihr Risiko gemobbt zu werden, ist 75 % höher als das von Männern!) sowie jüngere Mitarbeiter/innen bis zu 25 Jahren und vor allem Auszubildende.
Wie äußert sich Mobbing?
Die IG Metall hat nicht weniger als 45 Punkte zusammengefasst, die unter den Bereich Mobbing fallen. Ein kleiner Auszug:
- Der/die Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
- Man wird ständig unterbrochen
- Anschreien oder lautes Schimpfen
- Die Arbeitsleistung wird ständig kritisiert
- Das Privatleben wird ständig kritisiert
- Telefonterror
- Mündliche Drohungen
- Schriftliche Drohungen
- Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
- Versetzung in einen Raum weitab von den Kolleginnen und Kollegen
- Arbeitskolleginnen und -kollegen wird verboten, den/die Betroffene/n anzusprechen
- Man wird wie Luft behandelt Angriffe auf das soziale Ansehen:
- Es wird schlecht über die Betroffenen gesprochen
- Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein
- Über eine Behinderung wird gespottet
- Gang, Stimme oder Gesten werden imitiert, um jemanden lächerlich zu machen
- Die politische oder religiöse Einstellung wird angegriffen
- Es werden keine Arbeitsaufgaben zugewiesen
- Sinnlose Arbeitsaufgaben werden erteilt
- Es werden ständig neue Aufgaben zugewiesen
- Man gibt ihr/ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben
- Androhung körperlicher Gewalt
- Sexuelle Handgreiflichkeiten



















