Britta wollte immer Opernsängerin werden und in der Mailänder Scala Arien von Mozart und Verdi schmettern. Zu unsolide, meinten die Eltern der stimmbegabten jungen Dame. Heute ist Britta Werbetexterin und singt nur noch beim Tischdecken. Peter träumte schon als kleiner Junge von einer eigenen Firma im Kreativsektor. Doch als seine Freundin schwanger wurde, wählte er einen ungeliebten Brotberuf in untergeordneter Stellung eines bekannten Industrieunternehmens. Auch die Hausfrau Christine ist unzufrieden mit ihrer Situation: seit ihrer Teenagerzeit kämpft sie mit den Pfunden. Ihre Wunschfigur trägt eine schlanke 38, doch die Hose spannt tatsächlich in einer starken Größe 44.
Und Norberts Erfolgsziel ist sogar noch einfacher: er will nur seine Schüchternheit überwinden und in Zukunft vermeiden, dass die hübsche Kollegin ihn auf der Betriebsfeier nur als Abstelltisch für ihr Sektglas ansieht...
Erfolg ist lernbar…
Alltagsschicksale? Britta, Peter, Christine und Norbert sind keinesfalls allein mit ihren unerfüllten Wünschen und Zielen. Nahezu jeder Mensch kennt sie, die unausgewogene Lebensbilanz mit einem dicken Minus vor unserem selbst erstellten Sollziel. Traurig – kann man dagegen nicht etwas tun? „Erfolg oder Misserfolg hängen maßgeblich von unserer Interpretation ab“, sagt die erfahrene Managementberaterin und Buchautorin Susan RoAne aus San Francisco. „Wir entscheiden uns dafür, erfolgreich zu sein, oder eben nicht. Und auch, was Erfolg für den Einzelnen bedeutet, gilt keineswegs für alle.“
…aber was ist eigentlich Erfolg?
RoAnes Einschätzung wird heute von Gesellschaftsforschern und Psychologen bestätigt. Unsere Lebensplanung und unsere Selbsteinschätzung als erfolgreich oder erfolglos hängt nämlich maßgeblich davon ab, welches Wertesystem wir akzeptieren. „Erfolg“ galt lange als Zauberwort des Spätindustrialismus, als Wundermittel einer Gesellschaft, deren Mitglieder sich vor allem über Status, Leistung und Materielles definieren. Das machte Sinn, denn der größte Teil unserer Sozialisation war der Vorbereitung auf eine berufliche Rolle gewidmet. So weit, so gut. Doch die Gleichung geht für viele Menschen nicht mehr auf. Karrierewege verlaufen heute nicht mehr planbar linear, hoch qualifizierte Menschen stehen auf der Strasse, vielen Frauen wird der Wiedereinstieg in den Beruf erschwert, und selbst hartgesottene „Business Women“ sehnen sich nach einem meetingfreien Sabbatjahr auf einer Insel. Zudem werden stereotype Rollenerwartungen aufgebrochen, so dass „typisch männliches“ oder „typisch weibliches“ Verhalten und Auftreten nicht mehr unbedingt ein Erfolgsfaktor sein muss. Heute, meinen viele, muss man Erfolg anders definieren als über das Jahreseinkommen, die „workout-gestählte“ und chirurgisch verschönerte Figur oder eine Kontinuität der beruflichen Kompetenzen, die es vielerorts nicht mehr gibt. Anders heißt vor allem eins: individueller. Denn es gibt nicht nur einen Weg zum Glück. Und: man kann jederzeit umkehren und einen neuen Weg einschlagen. Vorausgesetzt, man ist motiviert genug!



















