„Die Liebe hat bunte Flügel und kennt Gesetze nicht und Recht und Macht“ – so singt die schöne Zigeunerin Carmen in der gleichnamigen Oper. Ob die Liebe Macht hat, würden die meisten Menschen aber schon bejahen, gilt sie doch als unsere größte Kraftquelle. Was aber, wenn wir (statt Kraft) Frustration und Bedrängung in unserer Beziehung erleben? Was, wenn unser persönlicher Freiraum aufs Unerträglichste eingeschränkt wird?
Die Konsequenz, dem klammernden Partner Lebewohl zu sagen, ist für viele hart, aber für manche unumgänglich. Man fragt sich danach zu Recht, was man falsch gemacht hat. Und auch, wie man solche Abhängigkeiten in Zukunft vermeiden kann.
Allgemeiner und beunruhigender gefragt: Ist es überhaupt möglich, die Balance zwischen persönlichem Freiraum und Beziehungsnähe zu erleben? Ja, aber es erfordert, der verführerischen Carmen zum Trotz, doch einige Regeln.
Ihre Beziehung – eine „gesetzesfreie“ Zone?
Die romantische Vorstellung, dass unsere Liebe keinen Gesetzen folgt, endet oft brüsk an der Realität. Insbesondere wir Deutschen, die wir ja über eine zunehmende Reglementierung und Bürokratisierung unseres Alltags klagen, wiegen uns gern in der bildschönen Illusion, dass zumindest die Liebe eine Freizone sei, in der „alles anders“ und erlaubt wäre.
Tatsächlich gibt es aber ungeschriebene „Gesetze“ der Liebe, die auch der größte Freigeist nicht umstoßen kann. Eines der ersten und grundlegendsten Gesetze ist sicherlich das Gesetz nicht der Gemeinsamkeit, sondern der Eigenständigkeit. Philosophisch gesehen, muss man erst ein Ich sein, bevor man mit einem Du zu einem Wir werden kann: Gemeinschaft gründet auf einem reifen und gesicherten Selbstsein, auf der Integrität Ihrer eigenen Persönlichkeit.
Dass ein geheimnisvoller Anderer plötzlich das als unvollständig empfundene Ich komplettieren kann, funktioniert vielleicht als Betörung im Titelsong eines Bondgirls, aber nicht im wirklichen Leben. Auch Tests und Interviews belegen: Eigenständige und autonome Menschen erfahren mehr Erfolg in der Partnerschaft erfahren (und können sich so manche Missgriffe ersparen).
Sozialpsychologen sprechen hier von hohen Autonomiewerten. Sie haben festgestellt, dass Paare, die neben der Zuneigung füreinander auch einen hohen Autonomiewert aufwiesen, viel öfter als andere angaben, zufrieden mit der Beziehung zu sein. Zufriedenheit ist also nicht nur eine schöne Konsequenz der „Gefühle“, sondern auch ein Gutteil gelebter Eigenständigkeit.










