Keine Lust auf die Lust?

Bringen Sie mehr Erotik in Ihr Leben!

Auch Ihre Beziehung hat gerade einen kleinen "Durchhänger"?

Trösten Sie sich! Denn Sie sind in bester Gesellschaft: über 70 % aller Bundesbürger geben an, mindestens einmal in ihrem Leben unter dem gelitten zu haben, was Mediziner so nüchtern als „sexuelle Antriebsschwäche“ bezeichnen. Impotenz beim Mann, Migräne bei der Frau, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bis hin zum zeitweiligen völligen Verlust der sexuellen Begierde bei beiden Geschlechtern kommen häufiger vor, als man in unserer erotisch überfrachteten Gegenwartskultur annehmen könnte. Selten handelt es sich bei sexueller Antriebsschwäche wirklich um körperliche Probleme, wie organische Schwächen, sondern meist sind psychosomatische Hintergründe zu erkennen. Als die häufigsten Ursachen werden beruflicher und privater Stress genannt oder Partnerschaftsprobleme.

Beide Ursachen sind auch wissenschaftlich untersucht worden. Stress kann beim Mann tatsächlich zu einer vermehrten Ausschüttung von erektionshemmenden Botenstoffen im Gehirn führen, bei der Frau ist die körperliche Entspannungsfähigkeit herabgesetzt, was wiederum die Lust senkt. Partnerschaftsprobleme sind die grauen Eminenzen hinter der Bühne, auf der sexuelle Unlust gespielt wird, denn zuletzt geht es fast immer um psychische Konflikte außerhalb des Bettes. Erotik ist ein Spiegel der Machtverteilung und Zufriedenheit in einer Beziehung. Nicht umsonst „verweigert“ der Partner, der sich als schwächer empfindet, planvoll und bewusst die Intimität, um den Dominanteren zu beeinflussen oder sich dessen Einfluss zu entziehen. Sex gilt dabei als Tauschmittel, um etwas anderes zu bekommen.

Die chilenische Skandal-Autorin Esther Vilar beschrieb diese Manipulation in den siebziger Jahren der Frauenbewegung so: „Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie durch Sex alles bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“ Unsere fortschreitende Emanzipation hat jedoch inzwischen eine Verkehrung des Klischeebildes der plötzlich migränebehafteten Dame mit sich gebracht: nicht nur Frauen, sondern auch Männer verweigern sich heute zunehmend, wenn die Beziehung kriselt.

Stress, Probleme in der Beziehung – was ist zu tun, wenn Sie oder Ihr Partner die Lust verlieren?

Lassen Sie's knistern...

Psychologische Ansichten

Aus psychologischer Sicht gibt es zwei Gründe, weshalb Sexualität bei manchen Paaren eher Frust als Lust bringt: verborgene Konflikte und verborgene Wünsche. Die Unterscheidung der Beweggründe fällt schwer, denn dasselbe Beschwerdebild kann unterschiedliche Ursachen haben. Ein Fall von Impotenz zum Beispiel kann – organische Ursachen ausgeschlossen – den Grund haben, dass Ihr Partner ein Problem mit seiner eigenen Sexualität hat. Das kommt nicht selten vor, wenn er zum Beispiel erziehungsbedingte oder religiöse Schuldgefühle damit verbindet, oder auch, wenn eine frühere Partnerin ihn gedemütigt hat. Impotenz kann aber auch bedeuten, dass er Sexualität grundsätzlich konfliktfrei leben kann, aber einige bestimmte Wünsche nicht auszusprechen, geschweige denn auszuleben wagt. Dies kommt auch heute noch häufiger vor, als man meinen sollte! Auch wenn die Sexualisierung der Medien überall vorangetrieben wird, wenn in jeder mittäglichen Talkshow wilde Stripper auftreten und die Publikationsdichte erotischer Zeitschriften steil angestiegen ist, muss sich im Privatleben des Einzelnen nicht viel ändern. Vielleicht möchte Fred einfach Stellung 53 aus dem Kamasutra, oder Sabine kann ein Wort nicht aussprechen, will es aber ausleben. Dann vergessen Sie am besten die erotisierte Lifestylekultur und schlagen nach, was das ist. Natürlich gemeinsam.

Ganz so pragmatisch lässt sich jedoch nicht jede sexuelle Beeinträchtigung lösen, denn hinter verdrängten Wünschen steht oft mehr. Der Schweizer Psychologe C.G. Jung befand, dass verdrängte sexuelle Wünsche oft eine Folge eines gestörten Animabildes des Mannes sind. Die Anima ist der weibliche Anteil der männlichen Seele, seine Wünsche und Ideale in Bezug auf die Frau. Das weibliche Pendant ist der Animus, der männliche Anteil in der weiblichen Seele. Männer mit überstarker Anima können dazu neigen, Frauen stereotyp daran zu messen, ob und inwiefern sie ihrem (oft hoffnungslos übertriebenen) Idealbild gleichkommen, und sie dann in die Kategorie der idealtypischen Vollendung der der mangelhaften Person einzuteilen. Das altbekannte männliche Wahrnehmungsschema „Hure und Heilige“ deutet nicht nur auf die oft beklagte Doppelmoral, sondern psychologisch gesehen auch auf eine solche Spaltung hin. Die bürgerliche Version davon ist eine sexuelle Hemmung gegenüber der Partnerin, die oft solcherart rationalisiert wird: „Meine Frau (Freundin) tut so etwas nicht“. Hiermit sagt der Mann eigentlich etwas anderes, nämlich dass seine Fixierung auf ein Idealbild ihm nicht erlaubt, seine Partnerin realistisch als einen Mensch aus Fleisch und Blut anzusehen. Somit haben Sie beide ein Problem: Ihre Beziehung verliert an Lebendigkeit, an Authentizität.

 
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