Mann aus zweiter Hand abzugeben
Die Wahrheit ist unromantisch. Immer mehr Ehen werden nicht durch den Tod, sondern durch den Richter geschieden – 220.000 Trennungen zählte das deutsche Statistische Bundesamt im Jahr 2005. Der so genannte Lebensabschnittsgefährte, der häufig nicht mehr an die lebenslange Liebe glaubt und eventuell auch noch Kinder in die neue Beziehung mitbringt, wird allmählich zum Normalfall. Frauen, die selbst Sprösslinge zu versorgen haben, stürzen plötzlich in eine Patchwork-Familie und jene Damen, die noch ledig sind, müssen sich von der romantischen Vorstellung einer unbeschwerten Beziehung verabschieden. Anstelle einer langsamen Entwicklung der Liebe und des Kinderwunsches, müssen sie sich auf einmal um die Kinder ihres Partners kümmern und die neue Liebe teilen. Diskussionen um Unterhaltszahlungen und Besuchsregelungen stehen auf der Tagesordnung.
Doch selbst ohne Nachwuchs im Gepäck, stellt das Leben mit einem „gebrauchten Prinzen“ hohe Anforderungen an das Leben, die den Generationen vor uns vollkommen fremd waren: Gekränkter Stolz oder Angst vor einer weiteren Liebes-Enttäuschung sind nur zwei Aspekte, auf die seine „Neue“ gefasst sein sollte.
Der geschiedene Mann
Kaum zurück auf dem Heiratsmarkt macht sich dieser Typ der Gruppe „Secondhand-Männer“ auf die Suche nach einer neuen Partnerin. Dafür braucht er laut einer Studie etwa ein Jahr. „Solange dauert die Trauerarbeit“, weiß Parship-Psychologin Caroline Erb. Großer Haken: Die Scheidung gab ihm zwar die Freiheit zurück, bürdete ihm zugleich aber viele Pflichten auf, vor allem den Unterhalt für die Ex-Gattin, die gemeinsamen Kinder und sich selbst. Er muss in den meisten Fällen für die entzweite Familie aufkommen, weil Männer in der Regel mehr verdienen und Frauen die Babypause einlegen. Doch damit nicht genug: Abgesehen von den finanziellen Lasten, stürzen viele geschiedene Männer in Einsamkeit, denn sie haben den Frauen das Pflegen der sozialen Kontakte überlassen.
Des Weiteren kratzt die Scheidung am Selbstwertgefühl und erweckt – oft unbewusst – den Verdacht, nicht liebenswürdig zu sein. Und wer sich selbst nicht liebt, kann auch keinen anderen lieben. Darüber hinaus finden viele erst nach langer Zeit wieder Vertrauen zu einer Frau, vor allem wenn der Trennung eine schmutzige Scheidungsschlacht vorausgegangen ist. Es schleicht sich die Angst ein, denselben „Fehler“ noch einmal zu machen. Somit versucht der Prinz auf Biegen und Brechen Harmonie zu erzeugen, um einerseits einer erneuten Trennung vorzubeugen und andererseits die Ex-Frau und die Kinder zufrieden zu stellen. In vielen Fällen endet ein solches Verhalten trotzdem mit einer bitteren Enttäuschung. Denn alle Beteiligten kann der geschiedene Mann niemals komplett zufrieden stellen.










