Wir glauben genau zu wissen, was wir wollen. Und wir glauben genau zu wissen, wer wir sind. Und plötzlich kommt so ein Unbekannter daher, der eigentlich gar nicht unser „Typ“ ist, wirbelt unser Leben, unsere Betten und unsere Grundsätze durcheinander und wir können am Ende nur erschöpft noch mit dem weisen Sokrates philosophieren „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Toughe Karrierefrau trifft braven Hausmann, Selbstdarsteller trifft Zen-Buddhistin, ruhiger Fisch liebt temperamentvollen feurigen Widder: unmögliche Kombinationen, die nach allen Regeln der Vernunft im Alltag nicht lange lebensfähig sind, aber tatsächlich erfrischend wirken wie Energiepillen aus der Fabrik des siebten Liebeshimmels.
Unser Liebesbarometer zeigt schnell Höchstwerte an, alle Vorsicht wird über Bord geworfen, das Leben gleicht einer Achterbahn – und die Erotik prickelt wie nie zuvor! Unsere Freunde und Kollegen hingegen sind oft bestürzt über unseren plötzlichen Gesinnungswandel: dieser Mensch passt überhaupt nicht zu uns, das kann doch gar nicht gut gehen, oder? Doch, kann es. Denn Gegensätze der Charaktere begründen zwar meist keine tragfähige stabile Partnerschaft, geben aber häufig die Initialzündung für eine leidenschaftliche Affäre. Warum, erklären wir Ihnen hier.
Die Suche nach dem passenden Pendant
Ob sich gleich und gleich gern gesellt, oder Gegensätze sich anziehen, war lange auch in der Forschung umstritten. Psychologen der University of California in Santa Barbara gingen davon aus, dass etwas so kompliziertes wie die Partnerwahl nur nach dem Gegensatz-Prinzip funktionieren könnte: reich trifft arm, schön trifft unattraktiv, extravertiert trifft introvertiert. Diese Gegensätze sollten – so lautet die Forschungshypothese – für einen stets lebendigen und spannungsreichen Ausgleich innerhalb der Beziehung sorgen und ferner auch sicherstellen, dass persönliche Defizite durch den Partner ausgeglichen werden.
Die Ergebnisse der Studie zeigten aber eine ganz andere Realität: die Testpersonen suchten gar nicht ihren Gegensatz, sondern einen Partner, der ihnen so ähnlich wie nur möglich ist. Ein Versuchsfehler? Man wiederholte die Tests und erhielt gleiche Ergebnisse: über 1.000 Versuchspersonen zwischen 18 und 24 Jahren wählten aus Infomaterial stets diejenigen Partner, die ihnen an Aussehen, Bildung und Status möglichst gleich waren. Kein einziger wollte sich „hochheiraten“, keine einzige durchschnittlich aussehende Dame suchte einen Mann mit Filmstarqualitäten, sondern man blieb konsequent innerhalb des Rahmens der eigenen Qualitäten und wählte nur das Profil positiver Eigenschaften beim Partner, das man umgekehrt auch selbst anbieten konnte.
Schöne wählten Schöne, Akademiker nur Akademiker, Reiche Reiche - ungleiche Paarungen kamen nicht vor. Die nüchterne realistische Selbsteinschätzung, nicht so sehr die übertriebene Wunschvorstellung an den Anderen, leitete die Partnerwahl. Erstaunlich vernünftig, diese Studie, wenn man bedenkt, dass doch gerade die Liebe die Vernunft oft außer Kraft setzt. Wie ist dieses unerwartete hochkonservative Verhalten des paarungswilligen homo sapiens zu erklären? Dr. Stephen Emlen, Verhaltensforscher der Cornell University, der gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Buston aus Kalifornien diese Untersuchung durchführte, bilanziert, dass das Klischee vom reichen Prinz und der Gänsegretel, vom buckligen Quasimodo und der schönen Esmeralda ins Märchenreich gehört, kurz, dass die Partnerwahl in Wirklichkeit nicht auf dem Gegensatzprinzip basiert. Männer und Frauen scheinen tatsächlich mehr Wert auf ähnliche Qualitäten beim Partner zu legen als auf Gegensätze, Spannung und Kompensation.










