Die schöpferische Kraft des Worts
Kaum ein Land, kaum eine Kultur ist so faszinierend wie das Alte Ägypten. Der Reichtum und die Macht des Lands am Nil mögen vergangen sein, doch seine Tempel und seine Mythen leben bis heute fort. Diese neue Serie stellt Ihnen die wichtigsten Götter und Symbole Ägyptens vor und gibt Ihnen jeden Monat einen neuen Tipp, wie Sie Ihr Leben durch die Anwendung ägyptischer Magie bereichern können!
Gott des Monats: Ptah
Ptah ist einer der ältesten Götter Ägyptens. Als „Herr von Memphis“ war er der Stadtgott der alten Residenzstadt, die in der Nähe des heutigen Kairo lag. Giza mit den Pyramiden des Cheops, des Chephren und des Mykerinos und Saqqara mit der Stufenpyramide des Djoser sind Teil der berühmten Nekropole von Memphis. Selbst der Name „Egypt“ geht auf diesen Ptah zurück: aus dem ägyptischen Wort für „Tempel des Ka des Ptah“ wurde griechisch „Ai-gy-ptos“, der Urahn des heutigen Egypt.
Ptah ist aber auch ein mächtiger Schöpfergott. Einem alten Text zufolge erschafft er mit seinen Zähnen und Lippen, das heißt, mit seinem gesprochenen Wort. Grundlage seiner Schöpfung sind die Gedanken. Indem Gott sich die Welt erdenkt, tritt sie in Erscheinung. Alle bekannten Wesen, Götter wie Tiere wie Menschen, sind somit das Produkt der Imagination Ptahs. Auch die Bibel kennt diese Tradition von der Schöpfungskraft Gottes: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei dem Gott“ (In the beginning was the Word, and the Word was with God) heißt es dort. Urgrund seiner Gedanken ist sein Herz, welches nicht nur als Hort der Gefühle, sondern auch als Ort der Gedanken galt. Neuere Forschungen wie die von Doc Childre legen übrigens tatsächlich nahe, das Herz als ein intelligentes System ernst zu nehmen, das sowohl Emotionen als auch Gedanken ins Gleichgewicht und in Kohärenz bringen kann.
Ptah wird immer menschengestaltig dargestellt. Sein Körper ist mumifiziert, sein Kopf von einer eng anliegenden, blauen Kappe umschlossen. In den Händen, die aus den Bandagen herausragen, trägt er ein dreifaches Szepter, das aus den alten Symbolen Anch, Was und Djet gebildet wird. Ptah steht stets auf einem flachen Sockel, der, passend zu seinem Beinamen „Herr der Wahrheit“, der Hieroglyphe für Maat („Wahrheit“, „Gerechtigkeit“) entspricht.
Der Haupttempel des Ptah lag zwar in Memphis, doch aufgrund seiner großen Bedeutung gibt es überall in Ägypten Zeugnisse für die Verehrung dieses Gottes. Ein schöner kleiner Tempel des Ptah hat sich in Karnak erhalten, westlich des großen Amuntempels. Aber auch das Sanktuar von Abu Simbel im tiefsten Süden des Landes enthält ein Abbild dieses Gottes, das im Gegensatz zu den anderen Statuen von der Sonne nie berührt wird.
Als „Erhörer der Gebete“ hatte er ein besonderes Ohr für die Bitten der einfachen Bevölkerung. Ihm zu Ehren gab es in seinen Tempeln Steintafeln (Stelen), auf denen große Ohren abgebildet waren und die „Das Ohr, das hört“ hießen. Sie dienten dazu, die Gebete des Menschen zu „erhören“ und an den Gott Ptah weiterzugeben.
Davon, was geschehen konnte, wenn man sich mit dem sonst so friedfertigen Ptah anlegte, zeugt eine Stele aus dem Jahr 1240 v. Chr. Ein Handwerker namens Neferabu gesteht reumütig, den Namen des Gottes in einem Meineid missbraucht zu haben, woraufhin er erblindet sei: „I being a as a man who has sinned against his Lord. Righteous was Ptah, Lord of Maat, toward me, when he taught a lesson on me!”


















