„Lasst Blumen sprechen“ ist nicht nur ein bekannter Leitsatz der Floristikbranche. Schon vor vielen hundert Jahren haben sich Verliebte in aller Welt Botschaften durch Blumen übermittelt. Die Grundaussage jeder Blume ist eine kulturunabhängige Grammatik der Liebe: die duftenden, leuchtenden Pflanzen signalisieren dem Gegenüber ohne Worte Fruchtbarkeit, Schönheit und Erotik.
Was verraten Blumengeschenke?
In früheren Zeiten, als die Menschen noch nicht rund um die Uhr und über jede Distanz hinweg per E-Mail und SMS kommunizieren konnten, war eine Nachricht „durch die Blume“ oft die einzige Chance, die Angebetete zu erreichen. Insbesondere in den alten Kulturen, die den freien Umgang der Geschlechter miteinander strikt unterbanden, wurde die Blume zum stummen Vermittler der Gefühle. Besonders bizarre „Blüten“ trieb diese gesellschaftliche Unterdrückung der Redefreiheit von Mann zu Frau in der Türkei, im alten osmanischen Reich. In den Harems entwickelte sich eine komplizierte Blumensprache, die jeder Blume eine ganz besondere Aussage in Gefühlsdingen zuordnete. Es war eine richtige, anerkannte Unterhaltungsform, und jede Haremsdame, aber auch jeder gesellschaftlich gewandte Mann, musste die Vokabeln pauken! Nur so konnte er verstehen, was die verlockende Schöne wirklich für ihn empfindet. Trug sie Hyazinthen am Gürtel, hatte er Chancen. Hielt sie dagegen eine Schwertlilie in der Hand, sah es finster aus.
Der orientalische Brauch, dezente Nachrichten durch duftende Floristik zu vermitteln, erlebte in Europa im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts seine „Blütezeit“. Ungehindert von strengen Eltern, überwachenden Gouvernanten und den allgegenwärtigen Anstandsdamen konnte man flirten und glühende Liebesbekenntnisse austauschen, ohne dass Außenstehende mehr bemerkt hätten als die unauffällige Übergabe eines blühenden Gebindes von rauer Männerhand in zarte Damenhände. Auch ein heimliches Rendezvous ließ sich problemlos durch die Blume vermitteln. Kenner wussten sogar mit kurzem Blick auf das Bukett, wann das Stelldichein genau geplant war: eine Lichtnelke meinte den frühen Abend, eine Sonnenblume den Mittag, und wer sich spät in der Nacht noch aus dem Haus schleichen wollte, musste Weinlaub hinzufügen...
Ein Blumenstrauß drückte also oft den Inhalt eines ganzen Liebesbriefes aus, so viele komplexe Aussagen konnten in der Wahl, der Anzahl und Zusammenstellung der Blumen versteckt werden!


















