Hofkarten gelten im Allgemeinen als schwer zu deuten, weil sie in Legungen Personen darstellen, genauso gut aber auch nur bestimmte, ihnen zugeordnete Kräfte symbolisieren können. Im Tarot gehören sie zwar zu den kleinen Arkana, sind im Grunde aber eine ganz eigene Gattung der Archetypen, die noch die stärkste Verbindung in die Zeit darstellt, in der die Tarotkarten als reine Spielkarten genutzt wurden.
Lust auf Leben – und auf Sex
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Crowley und Waite nach ihren Vorgaben von zwei begabten Malerinnen die beiden heute populärsten Tarotdecks (Der Thoth-Tarot“ und der „Rider-Waite-Tarot“) gestalten ließen, waren die Tarotkarten von diversen, okkult interessierten Gelehrten jedoch schon zur Geheimwissenschaft erhoben worden. Im „Hermetic Order of the Golden Dawn“, einem magischen Orden, dem beide Männer angehörten, galt der Tarot als fester Bestandteil der Ordenspraxis und wurde vielseitig eingesetzt: Man sah in ihm den Schlüssel der Weisheit und die verbildlichte Darstellung der Kabbala, der alten, jüdischen Geheimlehre; in seinen wahren Mysterien nur den erfahrenen und ausgebildeten Ordensmitgliedern zugänglich.
Zugleich wurden die Karten in den niederen Graden, also bei Anfängern und Schülern, auch zur Ausbildung der Intuition benutzt, in dem sie auf „Zigeunerart“, also mit Fokus auf möglichst genaue Zukunftsprognosen, gelegt und gedeutet wurden. Von dieser Methode des Deutens ist heute noch am meisten in den Hofkarten zu spüren. Es sind allesamt Personenkarten, denen menschliche Charaktereigenschaften zugeordnet waren und die in den damaligen Deutungen immer bestimmte Menschen anzeigten: In der damals praktizierten Art, Tarot zu legen, hieß die erste Karte „Signifikator“ und sollte die Person oder das Ereignis darstellen, um das es in der Legung ging. Als Signifikator wurde meist vor der Legung die Figur aus den Hofkarten gewählt, die die Eigenschaften der betroffenen Person am stärksten verkörperte. Mit dieser Karte als Ausgangspunkt oder Anker wurden dann die restlichen Karten gelegt.
Thoth Tarot
Die Hofkarten des Thoth Tarot, geschaffen von Aleister Crowley und Lady Frieda Harris, bestehen aus Rittern, Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen. Crowley hat die Zuordnung zur Kabbala übernommen und erklärt in seinem Buch, dass die vier unterschiedlichen Adelsränge die vier hebräischen Buchstaben des Namens Gottes, „Jahwe“ („Yodh Hé Vau Hé“) symbolisieren.
Weiterhin entsprechen sie den vier Elementen Feuer, Wasser, Erde, Luft. Die Königin ist dem Feuerelement, dargestellt durch die Stabenergie, zugeordnet. Zugleich steht sie für den 2. Buchstaben: Hé. Unter den Hofkarten verkörpert sie die empfangende Qualität eines jeden Elementes, das einfühlende Verständnis in das Wesen des Elementes. Sie regiert also die Welt der Gefühle. In der Vermischung von Gefühlen mit der Tatkraft und Energie des Feuers steht die Karte für eine Eigenschaft in besonderem Maße: Leidenschaft.

















