Jedes der 78 Bilder sprüht vor Einfallsreichtum und steckt voller Details. Lassen Sie uns einige der Karten näher betrachten.
Die Herrscherin, traditionell die Karte der Mutter, der Fruchtbarkeit und des Wachstums, steht, wie es einer Herrscherin gebührt, inmitten der Zinnen einer Burg. Seltsam mutet hier das Größenverhältnis an. Die Fee erscheint im Vergleich zu dem Gemäuer und der auf den Türmen wachsenden Bäumen riesenhaft. Im Arm hält sie liebevoll ein geflügeltes Einhornbaby, das sie mit einer Hand im Nacken krault. Ihr Blick schweift in die Ferne außerhalb ihres für sie winzigen Heimes. Was mag sie dort wohl sehen?
Eine Glücksfee - für Sie persönlich!
Elfen, Feen, Zwerge und Gnome bevölkern schon so einige Tarotdecks. Mal melancholisch, mal märchenhaft und humorvoll. Die Bandbreite der Tarotkarten, die zwischen Fantasy und Märchenbuch angesiedelt sind, wächst stetig. Ein besonders schönes Deck, das „Glücksfeen-Tarot“ von Riccardo Minetti, der schon so ungewöhnliche Decks wie das Gothic Vampire oder das Manga Tarot schuf und der Malerin Mara Aghem, möchte ich Ihnen hier vorstellen. „Eine Wirklichkeit, die von der konstanten Sorge der Menschen um das Haben gekennzeichnet ist, steht im Gegenteil zu den Feen, die das Sein bevorzugen“, heißt es im Begleitheft.
Es handelt sich um ein Deck in der traditionellen Einteilung mit 22 großen und 56 kleinen Arkana. Von den großen Arkana wurden lediglich die Karten „die Hohepriesterin“ und „der Hierophant“ in „die Seherin“ und „der Weise“ umbenannt. Ansonsten tragen die Karten die gewohnten Bezeichnungen. Das Deck zeichnet sich durch eine farbenfrohe Gestaltung der Bilder aus, ohne jedoch knallig bunt zu wirken. Mit ihren großen, durchdringenden Augen, erscheinen die dargestellten Feenwesen teils wie Figuren aus einem Manga-Comic. Aber gerade die Art und Weise, wie die Figuren gezeichnet sind, bewirkt, dass wir sie immer wieder fasziniert ansehen. Viele der Feen schauen – ja fast könnte man sagen starren – uns direkt an und man vermag kaum ihren weisen, verliebten oder auch zornigen Blicken auszuweichen.
Außergewöhnlich im Glücksfeen-Tarot ist auch die Darstellung der Karte „der Tod“. Hier erwartet uns nicht etwa ein düsterer Sensenmann, sondern eine verträumte Schachspielerin. Das Schachbrett ist rund, wie das Rad des Schicksals, das sich auch als eine der Schachfiguren darauf wiederfindet. Die gelassen über den nächsten Zug nachdenkende Fee hat ein blaues und ein rotes Auge. Wer sich mit Farblehre auskennt weiß, dass Blau besänftigt und Rot eher für Temperament und Aggression steht. Wasser und Feuer spiegeln sich hier wider. Diese Karte mag uns daran erinnern, dass wir alle nicht nur Individuen mit eigenem Willen sind, sondern auch zu einem gewissen Anteil Schachfiguren. Wenn der „große Schachspieler“ beschließt uns aus dem Spiel zu nehmen ... Noch eine Warnung steckt in dieser Karte. Macht man einen falschen Zug, hat man das Spiel verloren.

















