Da feiern Gerippe wilde Feste, hinter dunklen Häuserecken lauern bedrohliche Gestalten, unschuldige Kinder finden sich auf Friedhöfen wieder oder werden von ihren Müttern in schaurige Landschaften geführt. Vampire, Werwölfe und fahles Mondlicht – diese Zutaten des Bohemian Gothic Tarot sind nichts für schwache Nerven. Aber wer Freude an einer richtigen Gänsehaut hat und sich für solch dunkle Anspielungen begeistern kann, wird an diesem Deck Gefallen finden.
Grusel-Tarot: Nichts für schwache Nerven
78 klassische Tarotkarten und eine zusätzliche Karte mit Namen »Dance Makabre«, die leider im Booklet keine Erwähnung findet, wurden als düstere Bilder komponiert – manchmal furchteinflößend, meist befremdlich, immer abgründig. Selbst solche »Lichtgestalten« des klassischen Tarot wie Die Sonne, Die Herrscherin oder Die Welt erscheinen von fahlen Aureolen oder schwachem Kerzenschein umgeben, der mehr Schatten als Licht hervorbringt. Keine Helligkeit ohne Dunkelheit.
Das scheint das Motto dieses Decks zu sein - und dem dunklen Abgründigen wurde es gewidmet. Doch es ist nicht allein das Makabere, das seine Schöpfer inspiriert hat. Diese Karten gewähren Einblick in die dunklen Bereiche des Lebens. Mit dem Bohemian Gothic Tarot steigen wir hinab in die Abgründe des Unbewussten – mit allen Ängsten und Fantasien, aber auch mit der tiefen Erkenntnis, die sich darin verbirgt. Denn oft genug sind es nicht nur die klar erkennbaren Kräfte und Mächte des Lebens, die unsere Handlungen, Gedanken und Beziehungen bestimmen. Meist sind unterschwellige Emotionen wie Angst, Lust, Neid und Obsession beteiligt, die wir nicht immer auf den ersten Blick erkennen. Und eben jene erhalten mit dem vorliegenden Spiel ein Gesicht.
Die Autoren haben dem Booklet zwei Legesysteme beigefügt, die dieser Betrachtungsweise Rechnung tragen. Von den Schöpfern der Karten, der Irin Karen Mahony und dem Russen Alexander Ukolov, sind hierzulande außerdem der Fairytale Tarot sowie der Victorian Romantic Tarot erschienen, zwei farbenfrohe Decks, die ausschließlich gezeichnet, gemalt und mit druckgrafischen Techniken realisiert wurden. Der einzigartige Bohemian Gothic Tarot entstand dagegen auf fotografischer Grundlage. Wir sehen alte, monochrome Fotografien, die in düsteren Farben und z. T. mit grellen Hervorhebungen nachkoloriert wurden. Es handelt sich hier um Collagen aus Bildern der Stadt Prag und ihrer Umgebung. Die Personen tragen den so typischen und seltsam inszeniert wirkenden Charakter viktorianischer Fotografien, bei denen man sich immer fragt, woran die tiefgründig ins Unbestimmbare blickenden Menschen wohl dachten, als sie dem Fotografen Modell standen.

















