Das Märchen-Tarot ist einfach märchenhaft...
Die 78 Karten sind wunderschön gemalt. Jede Tarotkarte, ganz gleich aus welchem Deck, erzählt ihre ganz persönliche Geschichte. Diese können in der Regel aber nur von geübten Deutern für den Laien in verständliche Worte übersetzt werden. Mit dem Märchentarot bekommen wir nun Bilderkarten an die Hand, die jeder, ja sogar Kinder, vom Ansatz her deuten können. Denn jede Karte ist mit einer Märchenszene bebildert. Auch Sagen, Gedichte und Legenden wurden mit einbezogen. Da viele dieser Geschichten uns gut bekannt sind, können wir uns leichter auf die „Sprache“ dieses Decks einlassen und uns mit vielen der abgebildeten Figuren identifizieren. Das dürften wohl vor allem jene Märchen der Gebrüder Grimm oder die von Hans Christian Andersen sein.
Spannende Märchen aus allen Ländern
Der Facettenreichtum der verwendeten Märchen ist groß. Neben den schon erwähnten Gebrüder Grimm und H. C. Andersen kann man sich auf traditionelle englische, italienische, russische und afrikanische Märchen ebenso freuen, wie auf Geschichten aus 1001 Nacht und der Artussage. Einige der Märchen sind lustig, andere traurig oder sogar ein wenig unheimlich. Nicht alle dieser Geschichten sind in Deutschland bekannt. Mit dem leider ebenfalls bisher nur in der englischen Originalausgabe erhältlichen Begleitbuch und den entsprechenden Sprachkenntnissen hat man hier einen klaren Vorteil, da dort auch zu jeder Karte eine Inhaltsangabe des dargestellten Märchens vorhanden ist.
Zu den heiteren Märchen, welches uns durch die Karte der Zwei Münzen nähergebracht wird, gehört „The man who had to mind the house“ (etwa: „Der Mann, der sich um den Haushalt kümmern musste“), ein norwegisches Märchen. Es handelt von einem Mann, dem seine Frau im Haushalt nichts recht machen konnte. Er nörgelte an allem herum und jammerte, er müsse die harte Feldarbeit machen und seine Frau habe ein leichtes Leben. So beschloss man die Rollen zu tauschen, was in einer Katastrophe endete.
Den Höhepunkt der Geschichte sehen wir auf der Karte. Da der Mann vergaß die Kuh zu weiden und es zu spät war, um sie auf die Wiese zu bringen, wollte er sie auf das Stroh gedeckte Dach befördern, wo sie sich satt fressen sollte. Sie rutschte herunter und erhängte sich mit dem Seil, an dem der Mann sie festgebunden hatte. Dummerweise befestigte er das andere Seilende durch den Kamin hindurch an seinem Bein. Als die Kuh fiel, wurde er durch den Kamin gezogen und blieb dort über dem Kessel mit Brei, den er kochen wollte, stecken. Seine Frau schnitt, als sie nach Hause kam, die Kuh herunter. Gleichzeitig fiel im Haus der Mann aus dem Kamin in den Breikessel. Eine nette, kleine Mähr, die, wie die Zwei Münzen auch, von Risikofreude, einem Chaoten und Multitasking erzählt.

















